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Was man schon immer über Kofferwörter wissen wollte, aber bisher nicht zu fragen wagte: Ein Interview mit Walter Moers über seinen neuen Roman QWERT

Du hast angeblich über 15 Jahre an Deinem aktuellen Roman QWERT gearbeitet. Ist das wahr?

Ja und nein. Wahr ist, dass ich die Grundidee zu QWERT vor circa 15 Jahren hatte. Ich habe damals ein paar Kapitel geschrieben und meinem Verleger Wolfgang Ferchl gezeigt. Der fand das wohl nicht so überzeugend und hat mir davon abgeraten, daran weiter zu arbeiten. Zu seiner Verteidigung muss ich hinzufügen, dass der Text im damaligen Zustand noch ziemlich unausgegoren war. Das hat mich erst mal ausgebremst, ich habe QWERT auf die Warmhalteplatte gestellt und andere Bücher geschrieben. Aber die Grundidee dazu hat mich nie losgelassen.

Als Autor sollte man möglichst viele Ideen haben, um auch schlechte wieder verwerfen zu können. Aber Ideen, die einen ganzen Roman tragen können, hat man nicht alle Tage.

Und wenn die sich verfestigen und einen über einen langen Zeitraum immer wieder heimsuchen, dann – das weiß ich mittlerweile aus Erfahrung – sollte man sie besser irgendwann umsetzen, damit sie einen nicht in den Wahnsinn treiben. Ich habe das Manuskript immer wieder mal rausgeholt und daran weitergearbeitet, bis schließlich so viele Ideen zusammen waren, dass ich gar nicht mehr darum herum kam, einen Roman daraus zu machen. Vor etwa zwei Jahren war es dann soweit: Ich habe mich hingesetzt und alles zusammengefügt und die Illustrationen dazu gemacht. Das ging dann plötzlich wie von selbst.

Ich habe also nicht 15 Jahre durchgehend an QWERT gearbeitet, sondern immer wieder mal, mit langen Pausen dazwischen.

Worin bestand denn diese hartnäckige Grundidee? Was unterscheidet den Kontinent Zamonien von der Welt Orméa, in derdein neuer Roman spielt?

Der Grundgedanke war: Wie könnte eine Welt aussehen, die aus purem Abenteuer besteht? In der es permanent so zugeht wie in einem Abenteuerroman oder einem Actionfilm oder einem rasanten Computerspiel? Ohne Pause, ohne Unterbrechung, ohne Stopptaste? Die Protagonisten von solchen Filmen oder Büchern oder Games sind ja unermüdlich unterwegs, müssen sich so gut wie nie ausruhen oder schlafen. Sie müssen anscheinend nicht essen oder aufs Klo gehen oder andere profane Dinge tun. Sie scheinen in einer Parallelwelt zu leben, einer anderen Dimension, in der man sich nicht regenerieren muss. Wie wäre es, jemanden in so eine Welt geraten zu lassen, der für eine Heldenrolle gar nicht veranlagt ist? Wie kann es jemand, der eigentlich das Gegenteil von einem Abenteurer ist, in einer Welt aushalten, die hauptsächlich aus Gefahren und Cliffhangern und wilden Romanzen besteht? Deswegen habe ich die Parallelwelt Orméa erschaffen, die aus reinem Abenteuer, aus Ritterromantik und rasanten Ereignissen besteht. In der die Naturgesetze nicht gelten und die bevölkert ist von gefährlichen und unberechenbaren Kreaturen. Eine Dimension, in der es völlig normal und alltäglich ist, dass man von einer haarsträubenden Situation in die nächste gerät. In diese Welt stolpert der Protagonist Qwert hinein. Und muss feststellen, dass ihm praktisch jeder dort nach dem Leben trachtet. In Zamonien geht es ja manchmal schon ziemlich zur Sache, aber Orméa ist sozusagen die Turboversion davon.

In deinem neuen Roman spielen – unter vielem anderen – Kofferwörter eine wichtige Rolle. Auf Anhieb rätselhafte Wörter wie SPONGESPRÜ oder ZEINEWU oder HODASIVOMA. Kannst Du uns Deine Definition von einem Kofferwort verraten? 

Ein Kofferwort ist ein Wort, das aus mehreren Wörtern zusammengeschoben wird, wobei Buchstaben der Ursprungswörter verlustig gehen können. Zum Beispiel: BURKINI (religiös motiviertes Kleidungsteil) aus BURKA und BIKINI. Oder LUSTBALLON (mechanisches Verhütungsmittel) aus LUST und LUFTBALLON. Der Firmenname EDEKA ist ein Kofferwort aus EINKAUFSGENOSSENSCHAFT DER KOLONIALWARENHÄNDLER, welches einerseits die kolonialistische Vergangenheit einer verbreiteten Lebensmittelhändlerkette in sich trägt, aber in der Berufswelt auch ein Kofferwort für "Ende DEr KArriere" ist – ein Kürzel fürs berufliche Scheitern. Kofferwörter können vieldeutig sein.

Aha. Ist „Kofferwort" eigentlich ein Kofferwort?

Leider nein. Es enthält zwar einen Koffer und ein Wort – was es , da die meisten Kofferwörter keinen einzigen Koffer enthalten, als Kofferwort geradezu überqualifiziert. Da bei seiner Entstehung aber keine Buchstaben verlustig gehen, ist es nur ein ordinäres Kompositum. Ein Kompositum ist...

Ich weiß, was ein Kompositum ist, danke! Wer hat das Kofferwort erfunden?

Auf jeden Fall nicht die Schweizer - obwohl RICOLA nicht nur nach einem Kofferwort klingt, sondern tatsächlich eines ist. Denn die beliebten Schweizer Kräuterbonbons werden von der Familie RIchterich in ihrer COmpany in der Stadt LAufen hergestellt: RIIICOLAAAA – ein Kofferwort wie ein Almjodler. Das erste Kofferwort und die Person, die es erfunden hat, sind wahrscheinlich unmöglich zu ermitteln. Aber einer der Ersten, die Kofferwörter ausgiebig benutzt und den Begriff definiert haben, war der englische Nonsense-Dichter Lewis Carroll. In ALICE HINTER DEN SPIEGELN lässt er die Figur Humpty Dumpty ein Kofferwort definieren: „Zwei Bedeutungen werden zu einem Wort zusammengesteckt."

Warum sind Kofferwörter in deinem neuen Roman so wichtig?

In Orméa spielen Kofferwörter eine wichtige Rolle und haben manchmal sogar eine schicksalhafte oder heilsame Wirkung für die Bewohner dieser Welt. Es ist der Punkt des Universums, an dem sich alle künstlerischen Ideen kreuzen. Die kreative Dichte an diesem Ort muss enorm sein.

Das hat Hildegunst von Mythenmetz gesagt. Und der muss es ja wissen.

Hast Du eine Lieblingsfigur in dem neuen Buch und darfst Du schon etwas über sie verraten?

Meine Lieblingsfigur in QWERT ist Qwert. Es sind eigentlich zwei völlig unterschiedliche Charaktere in einer Figur, das fand ich bei der Arbeit sehr herausfordernd. Insofern ist QWERT eigentlich zwei Romane zum Preis von einem – ein enormer Kaufanreiz, wie ich finde.

So viel kann ich immerhin verraten, ohne zu spoilern.

Das Interview führte Kathrina Michael

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Walter Moers über Booknooks

Seit einiger Zeit beobachte ich ein neues Phänomen, das besonders bei Büchersammlern, Bücherfressern und Bibliophilen aller Art immer beliebter wird: das sogenannte BOOKNOOK. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Buchstütze und miniaturisiertem Diorama, welches in jedes normale Bücherregal passen sollte und manchmal beleuchtet ist. Die darin dargestellten Szenen sind meist literarischen Ursprungs, oft beliebte Schauplätze aus Bestsellern wie etwa der Diagon Alley aus Harry Potter oder Hobbithöhlen usw. Viele Booknooks sind von Bastlern hergestellte Unikate, aber es gibt auch industriell und in Serie gefertigte Booknooks, die häufig als Bausatz angeboten werden.

So attraktiv, dass ich selber einen dieser Booknooks besitzen wollte, fand ich bisher keinen. Entweder waren die verwendeten Materialien nicht wertig oder die Gestaltung und Verarbeitung machte einen wenig überzeugenden Eindruck. Ich habe dieses Thema schließlich mit Carsten Sommer (www.carstensommer-objekte.de) besprochen – und so kamen wir auf die Idee, ein ZAMONISCHES BOOKNOOK herzustellen, das uns selbst in jeglicher Hinsicht überzeugt. Weil es:

1. aus haltbaren Materialien und mit lichtechten Farben hergestellt wird, also qualitativ absolut hochwertig ist.
2. professionell und detailliert modelliert und handwerklich perfekt verbaut ist und
3. nur in einer limitierten Auflage herstellbar ist.

Über das Motiv waren wir uns rasch einig. Nach einem knappen Jahr Entwicklungszeit können wir nun den Prototyp des Booknooks HILDEGUNST VON MYTHENMETZ IN DEN KATAKOMBEN VON BUCHHAIM präsentieren. Carstens Sommers Ergebnis übertrifft alle meine Erwartungen.

Booknook

Je länger der Entwicklungsprozess dauerte, desto mehr wurde deutlich, dass der Kreativ- und Arbeitsaufwand von Carsten Sommer für jedes einzelne Exemplar gewaltig sein würde. Das schlägt sich einerseits im Preis für dieses in aufwändiger Handarbeit gefertigte Kunstobjekt nieder. Andererseits muss diese Booknook-Edition beschränkt werden, denn nur so ist Carsten Sommer in der Lage, in einem überschaubaren Zeitraum gleichbleibend hohe Qualität zu produzieren.

Für mich war die Entwicklung dieses Objektes ein in jeder Hinsicht aufregendes Unterfangen: HILDEGUNST VON MYTHENMETZ IN DEN KATAKOMBEN VON BUCHHAIM ist das erste Booknook-Multiple der Welt geworden – nicht mehr und nicht weniger.

Walter Moers

Qwert