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Zamonien-Booknook

Seit einiger Zeit beobachte ich ein neues Phänomen, das besonders bei Büchersammlern, Bücherfressern und Bibliophilen aller Art immer beliebter wird: das sogenannte BOOKNOOK. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Buchstütze und miniaturisiertem Diorama, welches in jedes normale Bücherregal passen sollte und manchmal beleuchtet ist. Die darin dargestellten Szenen sind meist literarischen Ursprungs, oft beliebte Schauplätze aus Bestsellern wie etwa der Diagon Alley aus Harry Potter oder Hobbithöhlen usw. Viele Booknooks sind von Bastlern hergestellte Unikate, aber es gibt auch industriell und in Serie gefertigte Booknooks, die häufig als Bausatz angeboten werden.

So attraktiv, dass ich selber einen dieser Booknooks besitzen wollte, fand ich bisher keinen. Entweder waren die verwendeten Materialien nicht wertig oder die Gestaltung und Verarbeitung machte einen wenig überzeugenden Eindruck. Ich habe dieses Thema schließlich mit Carsten Sommer (www.carstensommer-objekte.de) besprochen – und so kamen wir auf die Idee, ein ZAMONISCHES BOOKNOOK herzustellen, das uns selbst in jeglicher Hinsicht überzeugt. Weil es:

1. aus haltbaren Materialien und mit lichtechten Farben hergestellt wird, also qualitativ absolut hochwertig ist.
2. professionell und detailliert modelliert und handwerklich perfekt verbaut ist und
3. nur in einer limitierten Auflage herstellbar ist.

Über das Motiv waren wir uns rasch einig. Nach einem knappen Jahr Entwicklungszeit können wir nun den Prototyp des Booknooks HILDEGUNST VON MYTHENMETZ IN DEN KATAKOMBEN VON BUCHHAIM präsentieren. Carstens Sommers Ergebnis übertrifft alle meine Erwartungen.

Booknook

Je länger der Entwicklungsprozess dauerte, desto mehr wurde deutlich, dass der Kreativ- und Arbeitsaufwand von Carsten Sommer für jedes einzelne Exemplar gewaltig sein würde. Das schlägt sich einerseits im Preis für dieses in aufwändiger Handarbeit gefertigte Kunstobjekt nieder. Andererseits muss diese Booknook-Edition beschränkt werden, denn nur so ist Carsten Sommer in der Lage, in einem überschaubaren Zeitraum gleichbleibend hohe Qualität zu produzieren.

Für mich war die Entwicklung dieses Objektes ein in jeder Hinsicht aufregendes Unterfangen: HILDEGUNST VON MYTHENMETZ IN DEN KATAKOMBEN VON BUCHHAIM ist das erste Booknook-Multiple der Welt geworden – nicht mehr und nicht weniger.

Walter Moers

Der Blaubär-Roman feiert Geburtstag
Walter Moers über 20 ½ Jahre Zamonien und die weiteren Aussichten

Als ich mit der Arbeit an dem Roman Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär begann, sollte diese voraussichtlich etwa ein halbes Jahr dauern, der Umfang des Buches sollte auf gar keinen Fall einhundertzwanzig Seiten übersteigen, und das ganze Werk sollte höchstens ein Dutzend Illustrationen enthalten. Das war der Plan. Es wurden dann fünf Jahre Arbeit, siebenhundertdrei Seiten und über hundert Illustrationen. Eine der beiden Lebensweisheiten, die ich seitdem aus eigener Erfahrung weitergeben kann – mehr habe ich in dieser Hinsicht nicht zu bieten –, lautet daher: Es kommt manchmal ein bisschen anders, als man plant. Die andere Maxime lautet: Benutzt regelmäßig Zahnseide oder Interdentalbürsten!

Nachdem ich den Roman beendet hatte, war ich der festen Überzeugung, dass ich so etwas in meinem ganzen Leben nie wieder tun würde. Fünf Jahre mit Zwergpiraten, Klabautergeistern, schlechten Ideen, einem Stollentroll, einem Prinzen aus der 2364. Dimension, einem halbblinden Rettungssaurier und vielen anderen seltsamen Charakteren zu verbringen kommt wahrscheinlich einem längeren Zwangsaufenthalt in einer geschlossenen Anstalt ziemlich nah. Aber aus meinem geplant einmaligen Ausflug in die Schriftstellerei – zuvor hatte ich nur Sprechblasen für Comics und Drehbücher verfasst – wurde unversehens eine Buchreihe über einen phantastischen Kontinent namens Zamonien mit mittlerweile neun Bänden und insgesamt 3521 Seiten. Der neueste Zamonienroman Der Bücherdrache ist seit März 2019 im Handel. Es kommt manchmal ein bisschen anders, als man plant.

Darüberhinaus feiern wir 2019 zu meiner großen Bestürzung ein 20 1/2-jähriges Doppeljubiläum. Denn so lange ist es schon her, dass mit Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär der erste Band der Zamonien-Reihe erschienen ist. Im Herbst 2019 legen wir daher das originale Blaubär-Hardcover von 1999 mit den Schwarzweiß-Illustrationen, dem blauen Farbschnitt sowie dem Originalposter wieder auf. Außerdem gibt es die farbige Ausgabe, koloriert von Florian Biege, erstmals im Taschenbuch. Welchen Blaubär hätten Sie denn gern?

Im Jahr 2020 könnte es dann zum nächsten Zamonienroman Die Insel der 1000 Leuchttürme kommen, einem Briefroman aus der Feder von Hildegunst von Mythenmetz, den er erstmals auch selbst illustriert hat.

Das Erscheinen der Blaubär-Sonderausgaben kann ich garantieren, aber im Falle des Briefromans kann ich nur hoffen, dass Mythenmetz den Termin für die Abgabe seiner Illustrationen einhält. Es kommt ja manchmal ein bisschen anders, als man plant.

Ausblick: Weitere Zamonienbände sind geplant, einige davon  in Arbeit, teilweise schon seit Jahren. Dazu gehört auch Das Schloss der Träumenden Bücher, der dritte Teil der Buchhaim-Trilogie. Dass es damit länger dauert als geplant, liegt daran, dass sich andere Projekte wie Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr, Weihnachten auf der Lindwurmfeste, Der Bücherdrache sowie die beiden Graphic Novel-Bände von Die Stadt der Träumenden Bücher dazwischengeschoben haben. Dies waren, was die Illustrationen angeht, zum Teil sehr umfangreiche und viel Zeit beanspruchende Teamarbeiten, die mit den anderen Künstlern Lydia Rode und Florian Biege terminlich abgestimmt werden mussten und daher Vorrang hatten. Es kommt eben manchmal ein bisschen anders, als man plant.

Und ich hoffe auch, dass das so bleibt. Denn sonst wären die Arbeit und das Leben ja völlig vorhersehbar und langweilig.

Ich bin sehr froh darüber, in der Buchbranche zu arbeiten, wo man sich, anders als in anderen Medien, immer noch die Zeit für ein Werk nehmen kann, die es nun einmal braucht. Ich denke, das kommt nicht nur mir, sondern auch meinen Lesern zugute.

Ach so, nach längerer Überlegung eine Korrektur zu Lebensweisheit Nummer 2: Benutzt doch lieber Interdentalbürsten als Zahnseide, denn die sind nicht nur effektiver in der Zahnzwischenraumreinigung, sondern auch einfacher zu handhaben.

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär